Wien | Heidelberg, 15. November 2012. Falsche Ernährung – zu viel, zu fett, zu süß – zerstört langfristig das Antirefluxventil am Ausgang der Speiseröhre. Es schließt nicht mehr richtig. Dadurch kommt es zum Reflux (Rückfluss) von Magensäure, Nahrungsbrei und Gallenflüssigkeit in die Speiseröhre – eine Entzündung kann die Folge sein. Es kann zudem zu einer Gewebeveränderung in der Speiseröhre kommen, dem Barrett-Oesophagus, der zur Krebserkrankung entarten kann. Das Krebsrisiko bei Barrett-Oesophagus beträgt 0,5 bis 0,7 Prozent pro Jahr. Und in mehr als 70 Prozent aller Fälle entsteht das Karzinom auch ohne vorangegangene Refluxbeschwerden. Es wird meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Eine aktuelle Studie des Wiener Chirurgen Univ.-Prof. Dr. Martin Riegler befasst sich mit diesem Thema und ist in der Zeitschrift ‚European Surgery/Acta Chirurgica Austria‘ bei Springer Medizin erschienen:

Das Team um Martin Riegler von der Abteilung für Chirurgische Funktionsdiagnostik im AKH Wien untersuchte die Häufigkeit des Auftretens der Krebsvorstufe Barrett-Oesophagus bei Personen mit und ohne Refluxbeschwerden. Die StudienteilnehmerInnen unterzogen sich einer Spiegelung der Speiseröhre. Das entnommene Gewebe wurde mit Hilfe eines neuen, von Riegler entwickelten Gewebeentnahme-Protokolls, untersucht. (Abb.: (A) gesunde Speiseröhre; (B) veränderte Speiseröhre).

Das Ergebnis der Studie ist deutlich: Barrett-Oesophagus wurde bei jenen ohne Refluxbeschwerden ebenso oft gefunden wie bei jenen, die unter Sodbrennen, saurem Aufstoßen oder anderen Reflux-bedingten Symptomen litten. „Für uns bedeutet das eine unbedingte Empfehlung, ab dem 50. Lebensjahr eine Vorsorgespiegelung der Speiseröhre durchführen zu lassen“, resümiert Studienleiter Martin Riegler: „Diese sollte man auch dann durchführen lassen, wenn keine Refluxbeschwerden vorliegen.“ Betroffene, die bereits im früheren Alter unter Beschwerden, etwa Sodbrennen, leiden, sollten entsprechend früher diese Vorsorgeuntersuchung durchführen lassen.

Wenn bei der Spiegelung der Speiseröhrung Gewebeveränderungen gefunden werden, so können diese mit einem neuen endoskopischen Verfahren, der Radiofrequenzablation (HALO®) bereits während der Spiegelung entfernt werden. „Alle publizierten Daten deuten darauf hin, dass das Krebsrisiko mit der Radiofrequenzablation gebannt ist“, hält Martin Riegler fest. „Die Voraussetzung für diese echte Krebsvorsorge ist allerdings die aussagekräftige Spiegelung der Speiseröhre und die Untersuchung der Gewebeproben entsprechend der neuen Chandrasoma-Klassifikation.“

Der Artikel kann Journalisten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.
Univ.-Prof. Dr. Martin Riegler steht für Interviews zur Verfügung.

Die Studie ist in der Zeitschrift European Surgery/Acta Chirurgica Austria (Verlag SpringerWienNewYork) erschienen: I. Mesteri et al.: Assessment of columnar-lined esophagus in controls and patients with gastroesophageal reflux disease with and without proton-pump inhibitor therapy. In: European Surgery, 13. Oktober 2012.

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