Höchstleistungen, auf die die Welt schaut, können Sprünge aus dem Weltall sein, sie können aber auch irdischer Natur sein - im Dienste für die Menschheit. Pharmakologische Spitzenleistungen in Forschung und Entwicklung stehen jeden Herbst im Mittelpunkt bei Springer Medizin. Im Rahmen einer festlichen Gala erhielten am letzten Donnerstag drei Preisträger den Galenus-von-Pergamon-Preis, der international als der inoffizielle Nobelpreis in der Pharmakologie zählt. Der Preis wurde von Staatssekretär Dr. Helge Braun in Vertretung der Bundesministerin für Forschung und Entwicklung, Professor Dr. Annette Schavan, überreicht. Die Bundesministerin ist Schirmherrin des Preises. Erst am Nachmittag hatte eine namhafte 14-köpfige Experten-Jury um Professor Erland Erdmann aus 18 Kandidaten die drei Sieger festgelegt.

„Mit Freude haben wir von der Galenus-Preis-Jury gesehen, dass diesmal besonders viele Neuheiten vorgestellt wurden“, erklärt Erland Erdmann anlässlich der Preisverleihung und fährt fort: „Wenn dies auch nicht automatisch unsere Entscheidung erleichtert hat, so kamen wir dennoch mit großer Überzeugung zu den diesjährigen drei Preisträgern.“ Wie in jedem Jahr geht der Preis an eine hervorragende Grundlagenforschung und an je ein Arzneimittel im Bereich Primary Care und Specialist Care:

Preisträger in der Kategorie Primary Care
Der Preis in der Kategorie Primary Care zeichnet ein Medikament aus, das bei einer breiten Patientengruppe eingesetzt wird. In diesem Jahr hat Novartis Pharma den Preis bekommen für Gilenya®. Mit Gilenya® (Fingolimod) von Novartis Pharma steht seit mehr als einem Jahr das erste orale Medikament gegen Multiple Sklerose (MS) zur Verfügung. Der Wirkstoff muss nur einmal täglich eingenommen werden. Fingolimod hält Lymphozyten in den Lymphknoten zurück und reduziert so die Zahl autoaggressiver Immunzellen im Blut. Das mindert Krankheitsaktivität, Schubraten und Hirnatrophie signifikant. Damit wird Fortschreiten von Behinderungen hinausgezögert. In Deutschland leben rund 120.000 Patienten mit MS, einer Erkrankung, die nach wie vor nicht heilbar ist. Die bislang zur Verfügung stehenden Basistherapeutika haben den Nachteil, dass sie in den Muskel oder unter die Haut gespritzt werden müssen, und zwar täglich oder wöchentlich.

Preisträger in der Kategorie Specialist Care
Der Preis in der Kategorie Specialist Care würdigt ein Medikament, das zur Behandlung seltener Erkrankungen durch hoch spezialisierte Ärzte verwendet wird. In diesem Jahr ist Roche der Gewinner für Zelboraf®. Mit Zelboraf® (Vemurafenib) von Roche können Patienten mit inoperablem oder metastasiertem malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) länger überleben. Mit dem Medikament ist erstmals eine zielgerichtete Therapie für die Betroffenen entwickelt worden. Denn die Substanz ist nur bei jenen Melanom-Patienten wirksam, die eine Veränderung (Mutation) in einem bestimmten Gen (BRAF-V600) aufweisen. Dieses Gen ist für die ungehemmte Vermehrung (Proliferation) der Melanomzellen verantwortlich. Vemurafenib führt zur Hemmung dieses exzessiven Zellwachstums. Bei 40 bis 50 Prozent aller Melanom-Patienten ist die BRAF-V600-Mutation vorhanden.


Die Preisträger in den Kategorien Primary Care und Specialist Care erhielten eine Medaille und eine Urkunde. Maßgeblich für die Bewerbung war, dass zum Zeitpunkt der Einreichung das Arzneimittel nicht länger als drei Jahre in Deutschland zugelassen und im Handel erhältlich war.

Preisträger in der Kategorie Grundlagenforschung
Diese Kategorie würdigt eine Forschungsleistung in der klinischen und/oder experimentellen Pharmakologie. Aus den insgesamt fünf Arbeiten, die es in die Endrunde geschafft haben, ging das Team um Dr. Thomas Worzfeld vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim als Gewinner hervor. Der Wissenschaftler hat mit seinem Team eine neue Option für die Behandlung von Frauen mit metastasierendem Brustkrebs entwickelt. Es handelt sich um einen Antikörper, der einen bestimmten Rezeptor – als Plexin-B1 bezeichnet – blockiert. Dadurch ließ sich in der Kulturschale die Invasivität bestimmter Brustkrebszellen deutlich vermindert. Die Antikörper werden jetzt in Tierversuchen getestet. Die Wissenschaftler hoffen, dass solche Moleküle eines Tages dazu beitragen können, die Überlebenschancen von Frauen mit Brustkrebs deutlich zu verbessern. Die Jury sah in dieser Leistung den größten Fortschritt auf dem Gebiet der Grundlagenforschung, die außerhalb der pharmazeutischen Industrie an einer Universität oder einem Forschungsinstitution erbracht wurde. Dr. Thomas Worzfeld nahm am Donnerstagabend eine Medaille und ein Preisgeld über Euro 10.000,- entgegen.