Berlin, 08. Februar 2012. „Es reicht! Ab jetzt zählen nur noch Taten und Ergebnisse“, so Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR) e.V., auf dem Kongress „Pflege 2012“. Denn ohne Pflegekräfte geht nichts im Gesundheitswesen – darüber herrschte Einigkeit unter den Teilnehmenden des Kongresses „Pflege 2012“. Zum 17. Mal luden Springer Medizin und das Pflegemagazin Heilberufe zum Leitkongress für das mittlere Pflegemanagement nach Berlin. Über 1.000 professionell Pflegende aus allen Versorgungsbereichen folgten der Einladung und diskutierten zu Fragen wie Selbstverwaltung in Pflegekammern, Personalrecruiting, Dienstplangestaltung oder Krankenhaushygiene.

© Stephanie Pilic, Berlin
Der Kongress hat sich erneut als wichtige Plattform für richtungsweisende Entscheidungen in der Pflege erwiesen. Westerfellhaus forderte die etwa 1,2 Millionen Pflegenden in Deutschland auf, sich selbst aktiv in Veränderungsprozesse einzubringen: „2012 muss das Jahr der beruflich Pflegenden werden.“ Annette Widman-Mauz (CDU), parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG) sagte in ihrer Eröffnungsrede zu, dass die Erarbeitung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes noch innerhalb der Legislaturperiode abgeschlossen werde. Uneinig waren sich Politik und Pflegevertretung über die Länge der Ausbildung: der Pflegerat plädiert für eine zwölfjährige Schulbildung als Voraussetzung für die Zulassung zur Pflegeausbildung, vom Ministerium aus soll es bei zehn Jahren bleiben.

Eine Umfrage unter Mitarbeitern der Charité Berlin, die als Film-Einspieler auf der Eröffnung gezeigt wurde, gab einen guten Einblick in den Pflegealltag: „Ich kann mir nicht vorstellen, das noch mit 60 zu machen“ – diese Aussage einer Krankenschwester verdeutlichte den Ernst der Lage. Die Ärzteseite äußerte sich partnerschaftlich: „Ein ganz wesentlicher Wunsch von mir wäre, als Ärztin mit einer sehr autonom tätigen Berufsgruppe zu tun zu haben – das ist eine wichtige Voraussetzung, um auf Augenhöhe gemeinsam zu arbeiten“, sagt eine Ärztin der Charité im Film.

Pressekonferenz: (K)ein Tag ohne Pflege
Auf der Kongress-Pressekonferenz stand die Frage im Mittelpunkt, wie eine professionelle Pflege für die Zukunft gesichert werden kann. Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer und Vize-Präsident der Bundesärztekammer, forderte den Schulterschluss zwischen Ärzteschaft und Pflegenden: „Wir müssen Synergie-Effekte nutzen durch Arbeitsteilung“, so Kaplan. Bereits 2020 fehlten voraussichtlich nicht nur 280.000 Pflegekräfte sondern auch 56.000 Ärzte. Deshalb müsse man heute schon überlegen, welche ärztliche Tätigkeiten delegiert werden können. Im Blick für die Übertragung solcher Tätigkeiten hat Kaplan vor allem die großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Demenz, Hypertonie oder Druckgeschwüre.

Pflegemanagement-Award: Ein neuer Stern am Pflegehimmel

© Stephanie Pilic, Berlin
Erstmals vergeben wurde auf dem Kongress eine neue Auszeichnung im Pflegebereich: der Pflegemanagement-Award für Nachwuchsführungskräfte, initiiert vom Bundesverband Pflegemanagement. Vorstandsvorsitzender Peter Bechtel überreichte den ersten Preis an Stefanie Russ, Fallmanagerin in den Kliniken des Landkreises Biberach, für ihr außergewöhnliches Engagement bei der Etablierung des Fallmanagements und ihren Einsatz für sektorenübergreifende Lösungen. „Ich freue mich riesig über den Preis“, so Frau Russ. „Wie erfolgreich das Fallmanagement ist, konnten wir in Evaluationen sehen. Bereits nach einem Jahr ließ sich das Fallmanagement für unser Klinikum nicht mehr aus dem Klinikalltag wegdenken.“ Auf den zweiten Platz kam Birgit Trierweiler-Hauke von der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg, den dritten Platz belegte Mirjana Sreckovic von der Deutschen Hochgebirgsklinik Davos. (die vollständige Preismeldung vom Bundesverband finden Sie hier)

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