Berlin|Heidelberg, 26. März 2014. Zwischen 1933 und 1945 wurden bis zu 400.000 Menschen zwangssterilisiert, mehr als 200.000 wurden ermordet. Der entscheidende Aspekt war der „Wert“ des Einzelnen – der nach dem Verständnis der Nationalsozialisten bei körperlich oder geistig Behinderten nicht vorhanden war. Die Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung dieser Menschen fand dabei innerhalb des damaligen Anstalts- und Krankenhauswesens statt. Erstmalig findet nun unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck eine Wanderausstellung statt, die diesen NS-Opfern gewidmet ist. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)präsentiert die Ausstellung in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors. Der kürzlich bei Springer Medizin erschienene Katalog erfasst, verfolgt, vernichtet – kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus veranschaulicht die Inhalte dieser Ausstellung.

„Die Psychiatrie im Nationalsozialismus zählt zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte unseres Fachgebietes“, sagt Prof. Frank Schneider, Präsident der DGPPN und Direktor einer Klinik für Psychiatrie „Inzwischen ist die Aufarbeitung der eigenen Geschichte zu einem zentralen Thema innerhalb der DGPPN geworden.“ Auch Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, betont, wie bedeutend die Auseinandersetzung mit dem Thema ist: „Ich finde es wichtig, dass das Parlament zeigt: wir werden alles dafür tun, auch in der öffentlichen Darstellung, (…) dass so etwas (…) wie die Ermordung von behinderten Menschen oder sogenanntem lebensunwerten Leben, nie wieder vorkommt.“

Am Anfang des Kataloges stehen Fotografien, die zum einen die Opfer, zum anderen die Täter und Tatbeteiligten wie Ärzte oder Krankenschwestern zeigen. Danach folgt ein Einblick in die Ideengeschichte der Zwangssterilisation und der Eugenik, sowie in das Thema der „Rassenhygienischen Politik“. Das nächste und umfassendste Kapitel beschäftigt sich mit den Morden an den Kranken und Behinderten; den Schlusspunkt bildet die Auseinandersetzung mit dem Geschehen von 1945 bis heute. Der zweisprachig in Englisch und Deutsch verfasste Katalog ist durchgehend bebildert und mit Abdrucken von Briefen und Akten der damaligen Zeit versehen, wodurch die Schreckensszenen auch heute noch greifbar und real wirken. Die Ausstellung befindet sich ab dem 26.03.2014 in der Topographie Berlin; alle folgenden Ausstellungstermine finden Sie hier.

Schneider, Frank; Lutz, Petra; et. al.
erfasst, verfolgt, vernichtet – kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus
Springer 2014, Hardcover, 232 Seiten.
EURO 19,99 € (D) | 20,55€ (A) | CHF 25,00 | ISBN 978-3-642-54027-1

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